Der Philosoph der Schrebergärtner – Epikur

Philosophen ohne Freunde

Unter den abendländischen Philosophen gibt es einige, die beträchtlichen Unmut und Ablehnung auf sich gezogen haben, Macchiavelli zum Beispiel, Giordano Bruno oder Baruch Spinoza. Einer dieser Philosophen, der ebenfalls in Misskredit gezogen wurden, war Epikur, der Gründer der gleichnamigen epikureischen Schule (ca. 341 – 270 v.C.). Er lebte auf der Insel Samos, die ihrer Schönheit wegen die „Blühende“ genannt wurde.

Die Philosophie des Genusses

Das mag auf seine Philosophie, mit der er sich schon als Teenager beschäftigte, abgefärbt haben. Denn Schönheit und Freude standen für ihn im Mittelpunkt: Er erhob die „Lust“ (griechisch hedonee) zum zentralen Gedanken seines philosophischen Gebäudes. Noch heute steht „Epikurismus“ synonym fürHedonismus“, also für Lust, Begierde und Genuss.

Der Philosoph der Wolllust?

Epikur war ein Materialist. D.h. für ihn zählten nur die fassbare Natur, also das konkrete Erfahr- und Wahrnehmbare. Die Lust war für ihn Lebensantrieb und Quelle der Glückseligkeit, was ihm in der körperfeindlich geprägten griechisch-christlichen Philosophie einen denkbar schlechten Ruf einbrachte: Man glaubte, diese Art des Denkens sei Nährboden für Ausschweifungen und Wolllust.

Das aber ist falsch. Von geistloser Befriedigung und selbstbezogener Vergnügungssucht sprach Epikur nicht. Vergnügen war für ihn, wenn er ein gutes Gespräch führte, wenn er wusste, dass es seinen Freunden und seiner Familie gut ging. Er verstand sich als verantwortungsvoller Lehrer und war ein fürsorglicher Vater. Über den Kreis seiner Freunde und Angehörigen hinaus nahm er am öffentlichen Leben kaum teil. Das war für die damalige Zeit ungewöhnlich. Doch Epikur misstraute politischer Macht und glaubte, das Streben nach Ansehen verführe den Menschen zum Schlechten. „Manche“, behauptete er scharfsinnig, „wollen (nur deshalb) berühmt und angesehen werden, weil sie so Sicherheit vor den Menschen zu erringen glauben.“ Er empfahl seinen Schülern, sich von Politik fernzuhalten.

Gott? Was soll’s!

Sein Lustprinzip hatte er durch Beobachtungen in der Natur gefunden. Alles strebe nach Wohlbefinden und versuche Schmerz zu vermeiden. Wohlbefinden, Ausgeglichenheit, Harmonie sind geeignetere Begriffe, um auszudrücken, was Epikur unter Lust verstand. In spekulativen Glaubensfragen hielt er sich zurück. Er bestritt Götter nicht, war also kein ausgesprochener Atheist. Doch war für ihn das Göttliche so fern, dass es für das Leben der Menschen im Grunde keine Rolle spielte. Auch aus diesem Grund hegten christliche Denker nicht viel Sympathie für Epikur.

Der Philosoph der Schrebergärtner

Wie stellte sich der Philosoph ein glückseliges Dasein vor? Wer ein innerlich und äußerlich harmonisches Leben führen, Schmerz und Jammer vermeiden wolle, erreiche dies, indem er einen Flecken Erde kultiviere, ihn in einen Garten verwandle, um dort mit seinen Freunden zu leben. In gewisser Weise ist er der Philosoph unter den Schrebergärtnern. Seinen Schülern überlieferte er viele Sprüche und Sentenzen, die sie leicht auswendig lernen konnten. In ihnen ging es hauptsächlich um die Natur. Aus seinen Naturbeobachtungen lernte er, dass Zurückgezogenheit, Schlichtheit, Einfachheit und Maßhalten ein gutes Leben gewähren.

Freiheit

Epikureismus ist, das sei noch einmal gesagt, gerade nicht das Verlangen nach ständigen Vergnügungen und Unterhaltung. Im Gegenteil: „Der Selbstgenügsamkeit größte Frucht: Freiheit.“ (Epikur) Vielleicht ist es gerade dies, was wir heute von ihm lernen können: Frei zu werden. 

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