Super Tuesday

„Der amerikanische Psychotherapeut Irvin Yalom hat zwei zentrale Abwehrmechanismen beschrieben, die wir im Kampf gegen die Drohung des Todes unbewusst einsetzen:

  1. zum einen den Glauben an den magischen Schutz durch einen „letzten Retter“ …
  2. zum anderen den Glauben an die eigene Besonderheit und Unverletzlichkeit.
Thomas Fuchs, Zeitdiagnosen, Zug 2002, S. 97,

Nach den entwicklungspsychologischen Vorstellungen Jane und Erik Eriksons hat jede Phase des Lebens ihre entscheidende Aufgabe. Die des Alters, insbesondere des hohen Alters ist es, das Leben angesichts des nahen Lebensendes zusammenzufassen und abzugeben. Diese Lebensaufgabe stellt sich unausweichlich. Man kann nicht vermeiden, dass sie sich stellt. Man kann aber meiden, sich ihr zu stellen. Irvin Yalom beschreibt die beiden primären Meidemechanismen, von denen die zweite hohe politische Aktualität besitzt; Das Phänomen der mächtigen alten Männer.

Der Super Tuesday 2024 hat Joe Biden (82) und den nur vier Jahre jüngeren Donald Trump als voraussichtliche Präsidentschaftskandidaten für die Wahl in den USA 2025 hervorgebracht. Alte Männer. 

Alte Männer regieren die Welt: Wladimir Putin (72), Xi Jinping (71). Mahmud Abbas (88), Benjamin Netanyahu (74). Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ist mit seinen 68 Jahren geradezu ein Jungspund im Kreis der mächtigen Männer. Keiner dieser Männer hat sich kaum je über Nachfolge, über eine Zeit nach der eigenen Zeit geäußert. Zu wichtig scheint ihnen  das Bewusstsein der „eigenen Besonderheit und Unverletzlichkeit“ zu sein, von der Yalom spricht.

Er charakterisiert sie allerdings als eine defizitäre Haltung, eine Haltung, die Reife durch eine Allmachtsfantasie ersetzt. Thomas Fuchs geht soweit zu sagen, dass beide Abwehrmechanismen narzisstisch korrelieren: Der von der eigenen Bedeutsamkeit Überzeugte verspricht dem, der sich durch Endlichkeit und Nichtigkeit Bedrohten Retter zu sein. 

Sind mächtige alte Männer also  eine Gefahr? Bezogen auf das Weltgeschehen ist es derzeit schwierig, von etwas anderem auszugehen. Diese Männer scheinen eher für ein  gescheitertes Altern zu sprechen. Macht als Ersatz für Individuation. 

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