Krise

Eine Krise spült die Dinge vom Grund an die Oberfläche. Die Dinge, die wir gerne übergehen und ignorieren, in einer Krise können wir sie nicht mehr unten halten. Die Liste dessen, was die Coronakrise nach oben gebracht hat, ist nicht mehr zu überblicken. Der damalige Gesundheitsminister Spahn prophezeite, dass wir uns für vieles zu entschuldigen haben werden. Sich zu entschuldigen, steht ganz oben auf der Krisenbewältigungsliste.

Sich entschuldigen

Ich bin der Schuldzuschreibung müde, der Empörung, der Wut. Weder das Kopfschütteln, noch die Rechthaberei haben geholfen. Medial vollständig überfrachtet, kann ich am Ende nur noch müde abwinken – es ist zu viel und ich bin erschöpft.

Eine Freundin von mir lässt sich nicht impfen. Sie ist verzweifelt. Sie kommt einfach nicht über ihre Angst vor den mRNA-Impfstoffen hinweg und sie ist verzweifelt darüber, wie eng es jetzt wird um sie. Das tut mir Leid. Ich war sauer auf sie. Ich musste sie erst weinen sehen, um zu merken, dass es mit gerechtem Zorn auf die Ach-So-Unverständigen weiß Gott nicht getan ist. Es tut mir Leid. Ich möchte mich entschuldigen. Mit was auch immer wir kämpfen, abgekämpft sind wir alle.

Krieg oder Frieden

„Sie wissen, Graf, es ist viel edler einen Missgriff einzugestehen, als bis zum Äußersten zu gehen“, wird Pierre Besuchow in Krieg und Frieden erinnert. Sich zu entschuldigen heißt, sich nicht das Recht einzuräumen, bis zum Äußersten zu gehen. Ob der Verzicht darauf nun tatsächlich edelmütig ist – ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich das Recht nicht habe, bis zum Äußersten zu gehen. Denn das hat niemand.

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