Zenon, der Reisende

Vorbild Sinbads des Seefahrers?

Gedankenblitzblog XIII – 5./4. Jhd. v. C.

Zenons Ahnen

Zenon wurde während einer Reise geboren. Seine Mutter Athera, stammte aus Beritos in Phönizien, dem heutigen Beirut. Sein Vater Kompas, ein griechischer Seefahrer, stammte vermutlich aus Zypern. Der Legende nach war Athera eine der Töchter des phönizischen Königs Eram Hydorphobos, welche sich in den schneidigen Kompas verliebte und von ihm entführt wurde. Eram, der sich trotz des Umstandes, dass seine Herrschaft an der Küste des Mittelmeers lag, vor Wasser fürchtete (man sagt, er habe sich nur mit feinem, parfümierten Sand gereinigt), nahm die Verfolgung nicht auf.

Zenon auf Reisen

Zenon erhielt eine hervorragende Ausbildung durch seine Mutter und wurde bereits als Kind durch seinen Vater in die Kunst der Mathematik und Nautik eingewiesen. Mit elf Jahren steuerte er bereits das Schiff seines Vaters durch die Meerenge von Messina. Obwohl er bis zu seinem 16. Lebensjahr sämtliche Hafenstädte des Mittelmeeres bereist hatte, hielt er sich an Land kaum länger als wenige Wochen auf. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er auf einem Schiff. Von den Bewohnern der griechischen Kolonie Massalia – Marseille – erhielt er den Beinamen Diakymansis, der Schwankende, weil ihm das Gehen auf festem Boden ungewohnt war.

 Zu den Zinninseln

Wahrscheinlich in Marseille begann er mit Aufzeichnungen seiner Reisen und seine Faszination für das „Zinnland„, eines nördlichen Inselgebietes am Rand der Hyperborea. Zenon sammelte seine Reiseberichte im Buch „pro kassiterou“ (Zu den Zinninseln). Anders als andere antike Historiker wie Strabon, Herodot oder Plinius handelt es sich bei Zenons Aufzeichnungen nicht um geographische Berichte im eigentlichen Sinn, wiewohl er Karten hinzufügte, sondern vielmehr um Fabeln, Märchen und Geschichten, die er sich über die Orte, die er bereist hatte, ausgedacht hatte. Nichtsdestotrotz lokalisierte der niederländische Gelehrte A. van Stampen, ein Zeitgenosse Schliemanns, nach den Angaben Zenons die westfriesischen Inseln als Reste des Kontinents Atlantis.

Möglicherweise verbirgt sich hinter Zenon das historische Vorbild der persisch-indischen Seefahrergestalt Sindh-e-bad.

Der Schiefe Barde

Nach dem Tode seines Vaters 507, seine Mutter war zwei Jahre zuvor gestorben, erwarb er ein eigenes Schiff, das er „Kassiteridäa“ nannte. Mit ihr erreichte er – allerdings unter dem phönizischen Namen Hiram – als erster Mensch die Azoren und folgte den Zinn- und Bleihandelswegen der Atlantikküste nach Norden. Um 475 verliert sich seine Spur. Vermutlich erlitt er vor der Küste Cornwalls Schiffbruch. Dafür spricht, dass seit dem 5. Jahrhundert die Figur des „Schiefen Barden“ („Bardd O Chwith“) in der keltischen/cornischen Mythologie bekannt ist. Die Bezeichnung „schief“ könnte auf den eigentümlichen Gang des Zenon zurückgehen oder auf seine sagenhafte Talentlosigkeit im Singen. Zenon selbst erwähnt, dass er eine Gruppe Pottwale, vor der sich seine Besatzung gefürchtet habe, im Ligurischen Meer mit seinem Gesang in die Tiefe gezwungen habe. Woraufhin die Besatzung ihn bat, nie mehr zu singen.

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uwemetz

uwemetz

Geboren 1968 in Gießen, aufgewachsen in Wetzlar/ Lahn. Nach einer Buchhändlehre in Gießen studierte ich ev. Theologie in Oberursel und Erlangen. Ich arbeitete einige Jahre im Gemeindedienst und kehrte 2006 in meinen ursprünglichen Beruf zurück. Ich lebe mit meiner Frau in der Nähe von Stuttgart und bin heute in einem Verlag tätig.

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