Thales von Milet

Thales oder: „Am Anfang war das Wasser“

Gedankenblitz Blog I: 600 v.C.

In einer Küstenstadt im östlichen Mittelmeer, in Milet lebte vor 2700 Jahren Thales. Jeder, der den „Satz des Thales“ kennt, hat schon von ihm gehört und das sind praktisch alle, weil er bis heute Bestandteil des Geometrie-Unterrichtes ist.

Thales von Milet gilt als der erste Philosoph der griechischen, also europäischen Kultur. Dabei war er womöglich gar kein gebürtiger Grieche, sondern phönizischer Abstammung. Die Phönizier lebten ebenfalls am Mittelmeer, weiter südlich in der Region, die wir heute Palästina nennen. Sie waren außerordentlich tüchtige, sehr gescheite Seefahrer und Kaufleute. Den Phönziern verdanken wir beispielsweise die Ursprünge unseres Alphabetes.

Das, was wir von Thales wissen, ist überliefert worden von anderen, zum Beispiel von Aristoteles. Sie beschreiben seine Lehre und zitieren ihn; vermutlich hat er selbst keine Schriften verfasst (so übrigens auch Sokrates).

Thales von Milet liebte die Mathematik. So sagte er etwa aufgrund seiner Berechnungen eine Sonnenfinsternis voraus. Die Verwaltung kosmischer Angelegenheiten war eigentlich Sache der Religionen und ihrer Priester. Aber Thales versuchte den Dingen durch Beobachten und Nachdenken auf den Grund zu kommen. Den Ursprung aller Dinge verband Thales mit dem Wasser. Es war das Urelement oder die Archee (dieses Wort steckt in Fremdworten wie Archäologie oder archaisch und bedeutet „Beginn“ oder „Ursprung“). „Aus Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück“, behauptete er. Die Erdoberfläche fasste er als eine Schale auf, die auf dem alles umfassenden Wasser lag. Bewegungen der Archee, sozusagen Wellen verursachten Erdbeben. Eine erstaunlich zutreffende Erklärung, denn in der Tat setzt sich die Erdoberfläche aus Platten zusammen, die auf dem flüssigen Erdinneren schwimmen. Verschiebungen und Bewegungen dieser Platten verursachen Naturkatastrophen. Weil Thales die Beobachtung der Natur in den Mittelpunkt seines Denkens stellte, ist er der erste Naturphilosoph.

Übrigens war er auch ein gewiefter Geschäftsmann. Er hatte nicht viel Geld und überlegte, wo er es am Besten investieren könnte. Er entschloss sich, sämtliche Ölpressen in Milet zu mieten. Da niemand verstand, was er damit vor hatte, überließ man sie ihm gegen ein kleines Entgelt. Als aber die Ernte anbrach und die Oliven schnell verarbeitet werden mussten, verlieh Thales seinerseits die Ölpressen und wurde wohlhabend.

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uwemetz

uwemetz

Geboren 1968 in Gießen, aufgewachsen in Wetzlar/ Lahn. Nach einer Buchhändlehre in Gießen studierte ich ev. Theologie in Oberursel und Erlangen. Ich arbeitete einige Jahre im Gemeindedienst und kehrte 2006 in meinen ursprünglichen Beruf zurück. Ich lebe mit meiner Frau in der Nähe von Stuttgart und bin heute in einem Verlag tätig.

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