Socrates in the City – Mein heller Abgrund

Socrates in the City – Buchbesprechung: Christian Wimans „Mein heller Abgrund“

Socrates in the City ist eine Gesprächsreihe, die der amerikanische Autor Eric Metaxas ins Leben rief. In seiner Talkshow interviewt er Künstler, Autoren, Philosophen, Menschen, die durch das, was sie tun, einen klärenden Blick auf die Gegenwart werfen.

Einer seiner Gesprächspartner ist Christian Wiman gewesen, dessen außergewöhnliches Buch in den USA große Aufmerksamkeit erregte und das seit kurzem auch auf Deutsch erschienen ist. Christian Wiman ist Dichter, Lehrer und Herausgeber. Und er ist an Krebs erkrankt. Erst 52 Jahre alt steht ihm das Ende seines Lebens vor Augen. In den Prosastücken seines Buchs „Der helle Abgrund“ schreibt er aus dem Blickwinkel seiner Endlichkeit über das Leben. Er schreibt über seine Lebensgeschichte, seinen Unglauben, seinen Glauben, die Kraft Worte und was Worte nicht ausdrücken können.

Im Grunde zeigt er in seinem Buch, wie man einzig wirklich über den Glauben sprechen kann: Als Dichter, als Künstler. Die Sprache der Theologie mag für Ideologie und Religion ausreichen. Für den Glauben ist sie unzureichend. Wimans einzigartige, schöne Sprache (ein Lob auf die Übersetzung von Silvia Lutz, die auch die Gedichte besorgte) spricht vom Glauben, ohne sich an dessen Rätselhaftigkeit zu vergreifen.

Er zeigt noch ein zweites, wichtigeres: Glaube und Nicht-Glaube liegen dicht beieinander. Die Trennung ist fadendünn. Es gibt keine Sicherheit des Glaubens gegenüber dem Nichts des Nicht-Glaubens. Der Glaube ist ein heller Abgrund. Das ist schrecklich. Aber Wiman kennt diesen Schrecken, den Schrecken einer festgesetzten Zeit. Seine Bekehrung rettet ihn nicht, von seiner Entscheidung für den Glauben bleibt nichts. Aber auch von seiner Erfahrung, den Glauben abgelegt und das Leben tiefer geschmeckt zu haben als die fromme Bevölkerung West-Texas, seiner Heimat, auch davon bleibt nichts. Und so ereignet sich für ihn die Begegnung mit Christus jeden Tag aufs Neue und drängt ihn, aufrichtig zu sein.

Das also ist die Wirkung von „Mein heller Abgrund“:

Gott bleibt unaussprechlich, aber ich werde immer deutlicher vor seinem Geheimnis. Vielleicht ist eben dies gemeint in dem Satz: Die Ehrfurcht vor Gott ist der Anfang der Weisheit. Psalm 111,10  

„Denke ich an die Jahre, in denen ich nicht glaubte, verblüfft mich am meisten, wie wenig dieser Mangel wirklich mein Leben störte … Ich habe den Schmerz des Unglaubens erst wirklich gefühlt, als ich anfing zu glauben.“ C. Wiman

Veröffentlicht von

uwemetz

uwemetz

Geboren 1968 in Gießen, aufgewachsen in Wetzlar/ Lahn. Nach einer Buchhändlehre in Gießen studierte ich ev. Theologie in Oberursel und Erlangen. Ich arbeitete einige Jahre im Gemeindedienst und kehrte 2006 in meinen ursprünglichen Beruf zurück. Ich lebe mit meiner Frau in der Nähe von Stuttgart und bin heute in einem Verlag tätig.

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