Platon – ein Mann mit Idealen

Platon

Gedankenblitzblog IX: 400 v.C.

Der hellste Stern

Er ist das hellste Gestirn am abendländischen Philosophenhimmel: Platon, Schüler des Sokrates, Gründer der Akademie, Erfinder der platonischen Liebe. Als sein Lehrer Sokrates starb, verließ Platon Athen. Die Athener sollten nicht noch einmal Gelegenheit haben, sich einem unliebsamen Geist zu vergreifen. Aber er blieb seiner Heimat in grimmiger Verbundenheit zugeneigt und sollte später wieder zurückkehren.

Der Freund des Tyrannen

Dazwischen reiste er viel, Griechenland und Ägypten, vor allem aber hielt er sich in den griechischen Städten Unteritaliens auf. In einer dieser Städte, Syracus, herrschte der König, genauer der Tyrann Dionysios I. (ursprünglich meint das Wort schlicht Alleinherrscher) Mit ihm schloss Platon Freundschaft. Er beschäftigte sich intensiv mit der Frage, was gute Regierende auszeichnet, vermutlich weil es in seiner Zeit kaum welche von dieser Sorte gab. Darüber schrieb er eines seiner großen Werke, die Politeia. Darin behandelt er die Angelegenheiten, die eine Gemeinschaft (oder „Polis“) regelt, die Weise, wie sie geregelt werden und welche Herrschaftsformen die günstigsten und welche die ungünstigsten sind. Bei seinen Überlegungen legte Platon den Menschen zu Grunde. Er ordnete nach diesem Bild den Aufbau der Gesellschaft. Die leiblichen Bedürfnisse versorgten die Bauern und Handwerker. Das Militär, der Wehrstand war für Verteidigung und Kriegsführung verantwortlich. Die Regentschaft oblag den Tugendhaftesten und Verständigsten, also die Philosophen-Herrscher. Die Aufteilung in Herrschaft, Nährstand und Wehrstand prägte für Jahrhunderte das Bild, wie die Gesellschaft aufgebaut ist.

Platon versuchte seine Idee vom idealen Staat in Syracus zu verwirklichen. Doch scheiterte er an den realpolitischen Grenzen. König Dionysios I. betrachtete die Philosophie in erster Linie als erhabene Unterhaltung. Praktischen Konsequenzen, die sich aus philosophischen Gedanken ergaben, lehnte ab. Platon hatte den Einfluss seiner Philosophie auf Dionysios überschätzt und so blieb eine Herrschaft auf der Grundlage von Tugend und Verstand seit Platons Versuch in Italien weitestgehend Theorie, auch wenn ein Herrscher wie Marc Aurel versuchte, diesem Ideal zu entsprechen.

Platon – ein Mann mit Idealen

Neben der Staatsphilosophie machte er sich viele Gedanken über die Art und Weise, wie der Mensch versteht und Erkenntnisse gewinnt. Diese sogenannte „Erkenntnistheorie“ entfaltete ungeheure Wirkung in unserer Geschichte. Platon ging davon aus, dass wir in Bildern denken. Wir erfahren die Wirklichkeit nicht unmittelbar, sondern über Eindrücke und Wahrnehmung, die die Wirklichkeit, übersetzt in Worte und Bilder, wiederspiegelt. Aber diese Bilder reichen nicht an die Wirklichkeit heran. Sie sind Ableitungen, Schatten, die uns auch trügen können. Urteile aufgrund bloßer Eindrücke und Wahrnehmungen hin zu fällen, führten zwangsläufig in die Irre. Doch Platon ging einen Schritt weiter: Er behauptete, dass die Dinge, die uns umgeben, Ausprägung einer Grundform seien, des Ideals: Es gibt Tannen, Buchen, Eschen, Bonsais, Eukalyptus und Eichen. Alle verbindet eine Grundform, nämlich die Idee des Baumes. Auch Dinge, die nur für den Verstand zu fassen sind, der Klang einer schönen Formulierung, der Ausdruck eines harmonischen Gebäudes oder der Anblick eines schönen Menschen haben für Platon seinen Ursprung im Ideal der Schönheit.

Die Welt der Ideen

Die platonischen Ideen sind keine unwirklichen Vorstellungen. Sie sind Wirklichkeit, mehr noch, die Ideen stellen die tatsächliche Wirklichkeit dar. Indem der Verständige Schatten und Abbilder durchdringt, gelangt er an den Ort, wo sich alle Urideen finden lassen. Da auch der Mensch eine Ausformungen der Ideenwelt darstellt, besteht zwischen ihm und jener höheren Ideenwelt eine natürliche Verbindung, Mithilfe von Vernunft und Erkenntnis kann er die Welt des Schattenhaften und Scheinbaren überwinden und die Welt der Ideen erreichen.

Der erste Akademiker

Nach vielen Jahren kehrte Platon in seine Heimatstadt Athen zurück. Dort erwarb er ein Grundstück, dass nach dem athenischen Helden Hekademos genannt war und errichtete seine „Akademie„(die übrigens vermutlich auch Frauen zugänglich war). Die platonische Akademie wurde zum Vorbild für die antiken Philosophenschulen und bis heute namensgebend für den höchsten Grad an Bildung. Er starb alt und, da er unverheiratet war und kinderlos, übergab er die Leitung der Schule an seinen Neffen Speusippos. Es gab einen weiteren Anwärter auf Platons akademisches Erbe, der aber nach dessen Tod Athen verließ und andernorts eine Philosophenschule gründete. Auch diese Philosophenschule wurde Bestandteil des Bildungsvokabulars: Die Philosophenschule des Lyceum, gegründet von keinem geringeren als Aristoteles.

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uwemetz

uwemetz

Geboren 1968 in Gießen, aufgewachsen in Wetzlar/ Lahn. Nach einer Buchhändlehre in Gießen studierte ich ev. Theologie in Oberursel und Erlangen. Ich arbeitete einige Jahre im Gemeindedienst und kehrte 2006 in meinen ursprünglichen Beruf zurück. Ich lebe mit meiner Frau in der Nähe von Stuttgart und bin heute in einem Verlag tätig.

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