Die Stoa oder die Säulen der Weisheit

Die Stoa oder die Säulen der Weisheit

Gedankenblitzblog VIII: 300 v. C.

Das Wort „Schule“ ist, wenn man von Philosophen-Schulen spricht, missverständlich. Denn das Ziel der drei großen antiken Philosophen-Schulen, war es nicht, Wissen und Kenntnisse einzutrichtern, sondern eine angemessene Lebenshaltung zu finden. Lebensschule wäre ein treffenderer Ausdruck. Die Wege, die diese Schulen einschlugen, waren sehr unterschiedlich. Doch ihr Ziel war dasselbe: Eine innerlich und äußerlich gelassene und ausgeglichene Lebenshaltung zu gewinnen. Die Skeptiker enthielten sich, um dieses Ziel zu erreichen, allen Wertens und Urteilens. Die Epikureer lobten Zurückgezogenheit und fanden eine harmonische Lebensweise, indem sie das Glück im Diesseits suchten. Die Stoiker schließlich, die einflussreichste unter den drei antiken Schulen entwickelte eine Lebenshaltung, die sprichwörtlich wurde. Ein stoisches Gemüt zu haben, galt als Ideal. Doch was heißt stoisch?

Die Säulen der Weisheit

„Stoa“ ist ein Wort aus der Architektur. Es bedeutet „Säule“ oder „Säulengang“. Die Stoa bezeichnete eine hübsche Halle auf dem Markt von Athen, in der sich diejenige trafen, die den Philosophen Zenon von Kition hören wollten. Er ist der Gründer der stoischen Lehre. Diese Ausgeglichenheit versuchte er jedoch nicht durch Vermeidung von Leid oder durch Enthalten allen Urteilens zu erreichen. Schmerz und Freude, Leid, Glück nahmen die Stoiker als gegeben hin. Das Schicksal, so glaubten sie, bestimme den Menschen zu je dem einen oder dem anderen.

Stoische Lebenskunst

Die Lebenskunst nun bestand für die Stoiker darin, dass der ideale Mensch wie ein Fels der Ruhe in einem bewegten Meer fest stand. „Stoisch“ nennen wir Leute, die ruhig und beherrscht ihren Weg nehmen. Und in der Tat ist innere und äußere Selbstbeherrschung den Stoikern wesentlich, ebenso ein maßvolles Wesen, Gerechtigkeit und Freundlichkeit den Mitmenschen gegenüber. Die Stoa ist so ziemlich das Gegenteil von Donald Trump, Dieter Bohlen oder Klaus Kinski.

Das Echo der Ruhe

Die Stoa übertraf in ihrer Wirkung die Skeptiker und Epikureer. 300 Jahre v C trafen sich die ersten Stoiker in Athen. Ihr Echo trug weit in die Antike des Abendlandes. Die berühmtesten Vertreter der stoischen Philosophie waren deshalb keine Griechen, sondern Römer:

Seneca und Marc Aurel

Seneca, ein Zeitgenosse Jesu von Nazareth, stammte aus einer adligen, sehr wohlhabenden Familie und war Vertrauter Kaiser Neros. Der jedoch vergalt seine Freundschaft damit, ihn zum Tode; eine übliche Umgangsweise des Tyrannen mit seinen Freunden. Doch Seneca fürchtete sich nicht, sondern nahm das Urteil in eben der ruhigen Verfassung hin, die für einen Stoiker typisch war. Er war sich stets der Brüchigkeit des Lebens bewusst. Deshalb ängstigte ihn nicht der bevorstehende Tod, sondern ein hinter ihm liegendes, sinnlos vergeudetes Leben. Kaiser Marc Aurel, der zweite berühmte Vertreter der Stoa, lebte während des aufkeimenden Christentums. Er gibt in seinem Buch „Selbstbetrachtungen“ Anleitung, wie man Selbstbeherrschung und Unabhängigkeit (griech. A-pathia, wörtlich: Nicht-Leiden) von den Wirren des Schicksals erlangen konnte. Er beherzte den Gedanken des Sokrates und des Seneca, dass ein unbedachtes Lebens ein verfehltes Leben sei. Die Stoiker fanden, dass derjenige, der in Übereinstimmung mit der Natur lebte, die richtige, harmonische Lebensweise gefunden hatte. Marc Aurel ließ aus diesem Grund nicht zu, dass seine Rolle als Imperator, sein Inneres beherrschte. Alles war von Vergänglichkeit betroffen. Aber zugleich hatte alles Dasein Anteil am ständigen Ineinanderwirken aller Dinge. Nichts vergeht für immer.

Einfach leben

Möglicherweise hatte die Stoa auch auf das aufkeimende Christentum Einfluss. Ob dies an der natürlichen Gemeinsamkeit von stoischer Philosophie und christlichem Glauben liegt oder daran, dass der Höhepunkt stoischen Denkens in derselben Zeit lag, als sich die neue Religion ausbildete, ist allerdings nicht ganz klar. Ein wenig von ihr zeigt sich noch heute in der Einfach-leben-Bewegung. Das Leben zu entschleunigen greift den letztlich den Grundgedanken von Seneca aus seinem berühmten Werk „Die Kürze des Lebens“ auf. Was zeigt, wie aktuell die Stoa ist und dass es lohnt, sich mit ihr zu beschäftigen. Sie ist im wahrsten Sinn des Wortes zeitlos.

Veröffentlicht von

uwemetz

uwemetz

Geboren 1968 in Gießen, aufgewachsen in Wetzlar/ Lahn. Nach einer Buchhändlehre in Gießen studierte ich ev. Theologie in Oberursel und Erlangen. Ich arbeitete einige Jahre im Gemeindedienst und kehrte 2006 in meinen ursprünglichen Beruf zurück. Ich lebe mit meiner Frau in der Nähe von Stuttgart und bin heute in einem Verlag tätig.

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