Anaximander von Milet

Anaximander oder der Erfinder des Himmelsgewölbes

Gedankenblitz-Blog II: 500 v.C.

der kouros des anaximander

Wer war Anaximander?

Über den antiken Naturphilosophen Anaximander weiß man noch weniger als über Thales: Er lebte ebenfalls in Milet und war etwas jünger als jener. Man nimmt an, dass Anaximander, vertraut mit der Vorstellung des Urstoffes (der Archee), mit Thales in Gedankenaustausch stand, so dass er als dessen Schüler gilt.

Der Schmuck der Antike

Ein Wort zur Weltsicht der Antike. Sie unterscheidet sich von der unseren heute: Die Menschen der Antike waren erfüllt vom Glauben an Götter. Alles Geschick hing von der Willkür eines Gottes ab. Man versuchte, das göttliche Geschick durch Orakel zu erkennen und es durch Gebete und Opfer günstig für sich zu beeinflussen. Doch deswegen brachten die antiken Menschen ihre Tage nicht schicksalsergeben und abergläubisch zu. Religion, Anschauung und Denken waren nicht zwangsläufig Gegensätze, sondern sie gingen ineinander über. Nach und nach aber verselbstständigte sich das wissenschaftliche, vernünftige, auf Beobachtung gegründete Denken gegenüber dem mythisch-religiösen. Der Keim dieser Verselbstständigung wurde vor 2500 Jahren gelegt. Es war nämlich Anaximander, der als erster die Erschaffung der Welt (griechisch „Kosmos“) rein physikalisch dachte. Er suchte nach Prinzipien, Strukturen und Ordnungen, die die Natur erfüllten („Kosmos“ bedeutet auch Ordnung). So schuf er einen Himmelsglobus, eine Abbildung des Himmelsgewölbes, dessen Ordnung und Schönheit („Kosmos“ bedeutet als drittes Schönheit oder Schmuck, unser Wort „Kosmetik“ leitet sich von dieser Bedeutung ab).  Wie bei Thales nahm auch für Anaximander alles seinen Ursprung im Urstoff, der „Archee“. Doch war dies nicht für ihn das Wasser. Sondern ein unbestimmtes Unbegrenztes, das „Apeiron“ (das griechische Wort für Unendlichkeit). Das Apeiron folgt dem Prinzip des beständigen Ausgleichs. Kalt wird zu warm, trocken zu feucht, Festes löst sich auf, um sich wieder zu verfestigen. Diese Bewegung erfüllt den Kosmos, die Natur und damit auch den Menschen, der Teil des Kosmos ist. Der Mensch wird also von denselben Kräften geformt wie die Natur.

Teil oder Nicht-Teil, das ist hier die Frage

Zwar beginnt mit Anaximander und seinem Lehrer Thales das naturwissenschaftliche Forschen und Denken, das uns heute prägt. Aber es besteht auch ein wesentlicher Unterschied zwischen ihm und uns: Anaximander – wie übrigens alle Naturphilosophen – sah den Menschen als Teil des Kosmos. Der Mensch wurde von denselben Kräften geformt und bewegt wie die Natur. Heute sind wir es, die die Natur formen und manipulieren, um ihr etwas abzutrotzen. Solch eine Weltsicht hätte Anaximander für Barbarei und Idiotentum gehalten. 

Lebenskunst ist, Problemen nicht auszuweichen, sondern daran zu wachsen. Anaximander von Milet

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uwemetz

uwemetz

Geboren 1968 in Gießen, aufgewachsen in Wetzlar/ Lahn. Nach einer Buchhändlehre in Gießen studierte ich ev. Theologie in Oberursel und Erlangen. Ich arbeitete einige Jahre im Gemeindedienst und kehrte 2006 in meinen ursprünglichen Beruf zurück. Ich lebe mit meiner Frau in der Nähe von Stuttgart und bin heute in einem Verlag tätig.

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