Thales von Milet, der erste Philosoph

Europas erster Philosoph: Thales von Milet

Es gibt wohl kaum jemanden, der den ersten Philosophen nicht kennt. Denn der „Satz des Thales“ soll von ihm stammen, Thales von Milet. Er lebte vor 2700 Jahren, zu selben Zeit, als die Kelten Britannien besiedelten und in Ninive eine der ersten großen Bibliotheken geschaffen wurden.

Thales von Milet gilt als der erste Philosoph der griechischen, also europäischen Kultur. Dabei war er womöglich gar kein gebürtiger Grieche, sondern phönizischer Abstammung. Die Phönizier lebten ebenfalls am Mittelmeer, weiter südlich der griechischen Kolonien in der Region des heutigen Libanon. Sie waren ausgezeichnete. Seefahrer und Kaufleute. Den Phönziern verdanken wir beispielsweise unser Alphabet. Es wurde von den Griechen übernommen, variiert und gelangte in einer weiteren Variation als Römisches Alphabet zu uns.

Das, was wir von Thales wissen, wurde von anderen überliefert, etwa von Aristoteles. Sie beschreiben seine Lehre und zitieren ihn; er selbst hat vermutlich, so wie auch Sokrates oder Jesus, keine Schriften verfasst. Sein Ansehen war so groß, dass er zu den Sieben Weisen Griechenlands gezählt wurde

Thales liebte die Mathematik. So sagte er etwa aufgrund seiner Berechnungen eine Sonnenfinsternis voraus. Die Verwaltung  kosmischer Angelegenheiten war eigentlich Sache der Religionen und ihrer Priester. Aber Thales versuchte den Dingen durch Beobachten, Berechnen und Nachdenken auf den Grund zu kommen. Den Ursprung aller Dinge verband Thales mit dem Wasser. Wasser war das Urelement oder „die Arché“ (dieses Wort bedeutet Beginn oder Ursprung). 

„Aus Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück“, behauptete er. Die Erdoberfläche fasste er als eine Schale auf, die auf einem Urozean lag. Bewegungen der Arché, sozusagen Wellen verursachten Erdbeben, was eine aus heutiger Sicht erstaunlich zutreffende Beschreibung ist.  Thales gilt als erster Naturphilosoph, weil er die Beobachtung der Natur in den Mittelpunkt stellte, sie aber, obwohl selbst religös, nicht mythologisch überdeute. Was ihn und diejenigen Philosophen, die nach ihm kamen, beschäftige, war die Frage, nach dem verstehbaren Grund aller Dinge. Er war überzeugt, mit Hilfe der Beobachtung und insbesondere der Mathematik, diesen Grund verständlich machen zu können.

Man kann sagen, mit Thales tritt zum ersten Mal jemand auf, der im Vertrauen auf den  Verstand versuchte, die physischen Prinzipien der Welt zu begreifen. Diese Weise zu denken, für uns heute vertraut, war vor 2700 Jahren etwas Neues, Anderes.

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